Parametrisches Lighting Design: eine Liebesgeschichte
In dem heutigen Lighting Design kann man sagen, dass es oft parametrisch generiert wird, es sei in constraint systems oder eben in propagation-based systems . Es kann in kleinen oder großen Projekten generiert werden und die Anzahl an verschiedene Anwendungen ist erstaunlich hoch, besonders wenn man nicht im Design -und Bau Kontext aktiv ist.
Als eine Vertiefung meines letzten Posts, werde ich hier ein paar Beispiele schildern, die einen kurzen Einblick in das parametrisierte Lighting Design werfen.
Das erste Beispiel ist von einem der bedeutendsten Lighting Design Büros weltweit: Speirs + Major. Mit Sitz in Tokyo und London ist Speirs + Major eine unabhängige, preisgekrönte internationale Designpraxis, die Licht und Dunkelheit verwendet, um das Erlebnis der visuellen Umgebung zu verbessern. Die Firma arbeitet eng mit Kunden, Architekten und Partnern von anderen Designdisziplinen. Dies macht von S+M eine sehr umfangreiche Designpraxis, die interdisziplinäre Projekte entwickelt und das Licht als Botschaftsträger ihrer Konzepte festlegt.[1]
Third Age of Light
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| Foto: Speirs +Major |
Das von S+M entwickelte Projekt stellt das Licht der nahen Zukunft in London dar und forscht, spielerisch, wie der öffentliche Raum der Stadt von den Besuchern wahrgenommen wird. Um dies zu erreichen, wurde eine Vitual Reality - Installation in der Royal Society of Arts in London angebracht.[2]
Der Name des Projektes hat eine enge Verbindung mit der Geschichte des Lichtes. Als „First Age“ wird die rudimentäre frühere Beleuchtung betrachtet, die mit einfachen tragbaren Öllampen und Leuchtern erreicht wurde. Als „Second Age“ wird die Entwicklung von Industriellenverfahren in das Lichtindustrie betrachtet, welches mit sich nicht nur das Licht möglich für alle gemacht hat, sondern auch es in eine verschwenderische Art produziert und angebracht wurde, dies führte zu einem ausgesprochenen Energieverbrauch, eine höhe Umweltbelastung durch Lichtpollution und Überbeleuchtung, all dies hat die Nacht und ihre natürliche Dunkelheit von den Städten weggenommen und viele Menschen wissen nicht mehr, wie der Sternenhimmel in einer lauen Sommernacht aussehen kann.
Aber genau dagegen stellt die „Third Age of Light“ ein Protest dar. Die heutige Gesellschaft hinterfragt viele etablierte Sitten und Regeln, die seit Jahren gleich erhalten wurden, ohne zu überlegen wie und wieso sie existieren und einfach gemacht, was man früher immer gemacht hat, wie eine Art Bedarf, die Geschichte zu vergessen. Das macht aus der Bevölkerung eine sehr partizipative Kraft, die mit den davor existierenden Systemen und Gewohnheiten sich auseinandersetzt, hinterfragt und vor allem neu konzipiert. In der Third Age of Light werden die existierende Beleuchtungsmethoden neu interpretiert. In der virtuellen Simulation Londons, gehört die heutige Straßenbeleuchtung in die Vergangenheit, dafür werden dort cyborgartige[3] Menschen dargestellt, die Wearables tragen, die sie besser in der Dunkelheit sehen lassen, leuchtende Modeaccessoires und tragbare Leuchten, die die verrücktesten Formen haben, bioluminizsente Landschaften mit fluorisierender Farbe angemalten Straßen, Gebäude die, durch Nanotechnologie und passive Filmprojektionen selbst und interaktiv leuchten.[4] Alle Ideen, die als zu verrückt, unmöglich oder zu schwer zu entwickeln eingestuft werden, sind in diesem virtuellen Raum. Das eröffnet mentale Grenzen und lässt Raum für neue Ideen frei. Das Projekt finde ich besonders schön, weil S+M sich nicht beschränken ließen von der vorhandenen Technik, sondern einfach träumen und den großen Traum einer besseren Zukunft auch ermitteln.
Louvre Museum in Abu Dhabi
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| Louvre Museum in Abu Dhabi. Foto: Lucas Pereira Carlini |
- Ein Lichtregen,
- Licht- und Temperaturschwankungen,
- Komfort ist ein Teil des Designs
Die Absichten wurden visualisiert und assoziiert mit einer Temperaturkarte unter der Kuppel, die in dem Prozess berücksichtigt wurde, um den Nutzerkomfort zu gewährleisten. Während die umgekehrte Beleuchtung in einem (erzeugt durch den Schatten) in einer Lightingkarte interpretiert wurde, welche ein Modell des natürlichen Lichtes erzeugte[6]. Das Modell wurde immer wieder überprüft in Lichtsimulationen und je nach Anforderungen, wurden die Parameter bearbeitet und das System, wo die daten verarbeitet wurden, hat immer wieder ein neues Modell entwickelt, das der präliminäre Lichtsituation, dem Projekt und seinen Zielen entsprach aber die neue Anforderungen und neu angegebenen Informationen berücksichtigte.
Das Projekt soll ein lichtbasiertes parametrisches Design-Framework, der in einem Tool für Architekten und Ingenieuren verwendet wird. Besonders spannend ist wie durch den Schatten eine homogene Beleuchtung unter der Kuppel erreicht wird, aber bestimmte Bereiche auch hervorgehoben werden, nicht nur um diese Homogenität zu unterbrechen, sondern auch um Emotionen (Lichtregen) zu erwecken und die Temperatur des Areals angenehm zu halten, um den höchsten Komfort der Nutzer zu erreichen.
Die Zukunft des parametrischen Lighting Designs
Die Zukunft des parametrisierten
Lighting Designs hat eine sehr versprechende Zukunft. Nur Anhand der beiden
Beispiele, lässt sich gut argumentieren, dass die Menschheit sich entwickelt und
so auch die Technologien, die sie dienen. Lighting Design wird nicht seit langem
als Disziplin anerkannt, doch heutzutage wird es und die Anwendungen dafür sind
zahlreich, was auch für professionelle Lighting Designer den Horizont erweitert,
um das Licht weiter zu forschen, verstehen und anwenden. Parametrisches Design
bricht Barrieren zwischen Disziplinen durch und verbindet sie, es ermöglicht
eine konstruktive Zusammenarbeit in der jede Erfahrung, Ergebnis, Anforderung,
und Wunsch, gemischt mit der Expertise von Profis verschiedener Felder, bearbeitet
und berücksichtigt werden kann. Ich hoffe, dass diese Permeabilität zwischen Fachgebieten
weiter wächst und wir Menschen das auch sehen, als eine große Gelegenheit, näher
aneinander zu kommen und zusammen die Welt besser für die künftige Generationen
gestalten.
[1] http://www.speirsandmajor.com/about/profile/
[2] Donof, Elizabeth. New Technologies in Architectural Lighting for Designers. Architect Magazine. 2018
[3] Haraway, Donna. Manifesto for Cyborgs. Socialist Review 80. 1985. S.65-108
[4] http://www.speirsandmajor.com/work/strategy/third_age_of_light/
[5] https://de.wikipedia.org/wiki/Maschrabiyya
[6] Vincent Tourre, Francis Miguet. Lighting Intention Materialization with a Light-Based Parametric
Design Model. International Journal of Architectural Computing, Multi-Science Publishing, 2010


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